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Networking ist in aller Munde und soll das berufliche Weiterkommen befördern. Dabei handelt es sich beim Networking in erster Linie um die aktive Schaffung und Nutzung von Kommunikationsverbindungen. Die Fähigkeit zum Networking ist mittlerweile eine der Schlüsselkompetenzen bei der Jobsuche und beim beruflichen Weiterkommen, da die meisten freien Stellen durch Vermittlung von Bekannten und nicht etwa über Stellenanzeigen besetzt werden. Networking stellt damit eine konsequente Beziehungspflege und einen kontinuierlichen Beziehungsaufbau, angefangen mit Spaß-Netzwerken wie dem studivz bis hin zu spezialisierten Berufsnetzwerken dar.
Doch wie sieht es mit derartigen Kommunikationsverbindungen, mit solchen Netzwerken für Doktoranden an den Universitäten aus, die sich ja häufig in einem Leerraum, zwischen Universität und Berufsleben befinden? Wie können entsprechende soziale Netzwerke für Doktoranden organisiert sein und was können sie vor allem leisten?
Aus diesem Grund wollten wir herausfinden, ob und wie sich an Universitäten Netzwerke für Doktoranden bilden. Als besonders strukturiert erwies sich dabei das Promotionsmodel der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Dort waren freundlicherweise Frau Jana Knott, Mitarbeiterin des Zentrums für Qualitätssicherung und –entwicklung (ZQ) der Universität Mainz sowie zwei Organisatoren des Doktorandenkreises im Philosophicum der Universität Mainz, Maren Lickhardt und Martin Widmann zu einem Interview bereit.
Es folgt das Interview mit Frau Knott, Dipl.-Psych., Ansprechpartnerin im Bereich Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses des ZQs.
Wie ist das Promotionskolleg an der Universität Mainz strukturiert?
Jana Knott: Das Allgemeine Promotionskolleg ist ein Teil der umfassenden Promotionsstudien an der Universität Mainz. Das besondere an unserem Konzept der Promotionsstudien ist, dass einerseits eine herausragende Doktorandenförderung in Form der Gutenberg-Akademie für wissenschaftlichen Nachwuchs sowie der Promotionskollegs der Exzellenz, also unsere Graduiertenschulen und –kollegs, gewährleistet wird. Andererseits wird dadurch auch eine breite Doktorandenförderung durch das Allgemeine Promotionskolleg und durch die Speziellen Promotionskollegs ermöglicht. In den Speziellen Promotionskollegs sind ähnliche Fächer zu Fächergruppen zusammengefasst, die den Doktoranden die Möglichkeit bieten, sich über ihr Fach bzw. ihr unmittelbares Promotionsthema hinaus in Form von Ringvorlesungen und anderen Veranstaltungen weiterzubilden. So können beispielsweise Vorlesungsreihen organisiert werden, die für Doktoranden verschiedenster Fächer interessant sein könnten, etwa zur Biographieforschung, die auch für Soziologen, Psychologen und Pädagogen relevant sind.
Das besondere am Allgemeinen Promotionskolleg ist, dass es fachübergreifend arbeitet und Doktoranden die Möglichkeit gibt sich allgemeine Schlüsselqualifitkationen anzueignen, von denen wir glauben, dass sie für alle Promovierenden gleich bedeutend sind. In den Seminaren treffen sich Promovenden aller Fachbereiche, um beispielsweise gemeinsam etwas zum Thema Kommunikation zu lernen.
Wie genau ist das Allgemeine Promotionskolleg aufgebaut?
Zur Vermittlung dieser Schlüsselqualifikationen bieten wir sechs Module an:
- Einführung in das Wissenschaftssystem
- Informations- und Wissensmanagment
- Kooperation, Konflikt und Kommunikation
- Präsentation und Rhetorik
- Projekt-, Zeit- und Selbstmangement
- Wissenschaftliches Publizieren und Schreiben
Man kann auch ein Zertifikat erwerben. Dazu müssen drei Pflicht- und ein Wahlmodul belegt werden. Der Erwerb dieses Zertifikats sowie der Besuch der Module ist jedoch auf freiwilliger Basis, d.h. man kann sie besuchen wann man will. Pro Semester werden jeweils drei Module angeboten, so dass man, wenn man drei Jahre lang promoviert und jedes Semester einen „Bausteinstein“ besucht letztendlich auch alle Module absolviert haben kann. Die einzelnen Module umfassen jeweils 12 Stunden und sind damit meistens auf eineinhalb Tage aufgeteilt.
Sind die Module kostenpflichtig?
Nein, die Module sind kostenfrei, die einzige Bedingung ist, dass man an der Mainzer Universität promoviert und sich beim Allgemeinen Promotionskolleg angemeldet hat. Bei der Anmeldung bekommt man dann einen Zugang zum internen Bereich unserer Homepage, wo man sich dann zu den Modulen anmelden kann. Dort findet man auch eine Übersicht mit allen angemeldeten Doktoranden, mit ihren Promotionsthemen und Betreuern. Somit kann man sich dort informieren, wer alles am selben Fachbereich promoviert oder wer ein ähnliches Thema wie man selbst hat, so dass man auch auf diese Weise Kontakte zu anderen Doktoranden knüpfen kann.
Auf der internen Seite werden auch Informationsmaterialien bereitgestellt, Links zu Internetseiten von Doktorandenvereinigungen, Softwareempfehlungen, Literatur, die für Doktoranden interessant sein könnte, wie beispielsweise Promotionsratgeber.
Wie hoch ist die Beteiligung an den Modulen, bzw. wie groß ist die Akzeptanz dieses Modells?
Gestartet haben wir das Programm im Dezember 2005 mit einer Eröffnungsveranstaltung. Da kamen ca. 90 Interessierte, von denen sich dann auch fast alle für das Allgemeine Promotionskolleg angemeldet haben. Mittlerweile sind es fast 280 Doktoranden bei uns angemeldet, von denen ungefähr die Hälfte mindestens ein Modul besucht hat. Auch waren die Teilnehmer durchweg zufrieden mit den Veranstaltungen und gaben in der nachträglichen Teilnehmerbefragung an, dass sie die Module nicht nur wiederbesuchen, sondern auch weiterempfehlen würden.
Besteht eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Allgemeinen Promotionskolleg und den Speziellen Promotionskollegs aus?
Nein, nicht wirklich. Bei den Speziellen Promotionskollegs geht es um fachliche Inhalte und beim Allgemeinen Promotionskolleg um die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen.
Fördern sie auch Reisekosten und helfen bei der Vergabe von Stipendien?
Nein, damit hat das Allgemeine Promotionskolleg direkt nichts zu tun. Wir haben die finanziellen Mittel für die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen. Wir können lediglich auf unseren Seiten über die Vergabe von Stipendien etc. berichten.
Was sind weitere Zielsetzungen des Allgemeinen Promotionskollegs?
Das Allgemeine Promotionskolleg versucht die Vernetzung der Doktoranden untereinander zu fördern. Doch das geschieht weniger, indem wir Doktoranden aktiv ansprechen und zur Vernetzung auffordern, sondern eher über die fächerübergreifende Begegnung in den Modulen und über die Internetplattform. Gleichzeitig legen wir beispielsweise auch Wert darauf, dass die Referenten in dem Modul 'Projekt-, Zeit- und Selbstmanagment' darauf hinweisen, dass es die Möglichkeit gibt, Coaching-Gruppen für die Promotion zu gründen. Die Doktoranden sollen erkennen, dass man nicht alleine an der Arbeit sitzen muss, sondern sich auch mit anderen zusammen tun kann. Innerhalb der Gruppe sollen dann Themen wie beispielsweise Zielsetzung und –überprüfung besprochen werden und welche Unterstützung, also welchen Input man sich von den Coaching-Partnern wünscht, um möglichst großen Output zu erlangen. Gleichzeitig schaffen solche Coaching-Gruppe auch eine sehr starke emotionale Unterstützung – man ist nicht mehr alleine mit seinen Problemen, man stößt immer auf ein offenes Ohr.
Das ist aber, wie gesagt alles sehr offen. Wer das Angebot nutzen will kann dies tun, muss es jedoch nicht.
Im Anschluss folgte das Interview mit dem Doktorandenkreises, vertreten durch Maren Lickhardt und Martin Widmann, um herauszufinden, wie eine Form von unabhängiger Selbstorganisation von Doktoranden aussehen kann und was eine derartige Vernetzung zu leisten im Stande ist.
Was war der Gründungsgrund und was sind die Zielsetzungen des Doktorandenkreises?
Martin: Da die Promotion in Mainz zum überwiegenden Teil noch Individualpromotion bedeutet, d.h. Betreuer und Promovent, trifft man leider kaum Mitstreiter, mit denen man sich austauschen kann. Aus diesem Grund hat Jasmin Adam die Initiative ergriffen und diesen interdisziplinären Stammtisch, den Doktorandenkreis ins Leben gerufen. Dazu hat sie mit dem Allgemeinen Promotionskolleg Kontakt aufgenommen. So wurde die Idee auf der Internetseite des Promotionskollegs vorgestellt und im Januar 2006 fand dann das erste Treffen statt. Seitdem findet das Treffen fast immer einmal im Monat statt.
Maren: Meistens ist es der 2. Mittwoch im Monat um 18.00 Uhr. Also falls Doktoranden von anderen Universitäten Interesse an unseren Treffen haben, sind die herzlich eingeladen zu kommen. Wir haben auch schon Mitglieder aus anderen Unis, wie z.B. der Uni Frankfurt. Das heißt wir beschränken uns nicht nur auf Mainzer Doktoranden. Wer Interesse hat und an seiner Uni so etwas nicht vorfindet, kann gerne vorbeikommen.
Wie viele Doktoranden nehmen an den Treffen teil und wie sind diese Treffen organisiert?
Maren: Die Teilnahme ist sehr wechselhaft, meistens sind es jedoch so zwischen 15 (das sind dann aber schon wenige) bis hin zu 40.
Dabei sind die Treffen so organisiert, dass wir Themen ankündigen, die alle interessieren könnten. Dazu laden wir, ein kleines Organisationsteam und entsprechende Vortragspartner ein, die dann ehrenamtlich über Themen referieren, beispielsweise über die Promotionsordnung oder Wege wissenschaftlichen Publizierens. Das Gute an diesen Treffen ist, dass man Energien bündeln kann, so dass sich die Referenten auch die Mühe machen, einem auch in kleinen Häppchen beispielsweise die Promotionsordnung zu erklären.
Martin: Es hat sich eben sehr schnell herausgestellt, dass, neben dem allgemeinen Austausch, ein Bedarf nach solchen allgemeinen Information besteht. Daher sehen es die Referenten natürlich auch gerne, wenn der Aufwand sozusagen optimiert wird, so dass nicht jeder Einzelne zu einem Gespräch bei ihnen vorbeikommt, sondern sie dies vor einem größeren Plenum vortragen können.
Maren: Zu unserem nächsten Treffen haben wir beispielsweise einen mittlerweile eremittierten Professor eingeladen, der über Bewerbungskriterien an Hochschulen spricht. Das heißt wir versuchen also wirklich Basisthemen anzusprechen, so dass sich der Einzelne um bestimmte Informationen individuell gar nicht mehr bemühen muss. Des weiteren ist es relativ wichtig gewesen, dass Jasmin Adam die Treffen des Doktorandenkreises als Offizielles etabliert hat. Dadurch haben wir es fast immer geschafft die Referenten für uns zu gewinnen, die wir haben wollten, da diese längst von uns gehört hatten.
Findet eine Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Promotionskolleg und / oder den Speziellen Promotionskollegs statt?
Maren: Durch das Allgemeine Promotionskolleg werden wir unterstützt, indem wir Platz auf der Homepage des Promotionskollegs zur Verfügung gestellt bekommen haben, um unsere Treffen anzukündigen und über den Verteiler die Treffen jeweils nochmals bekannt zu geben. Damit sind wir einerseits zwar eine Eigeninitiative und wir haben auch nicht direkt etwas mit dem Allgemeinen Promotionskolleg zu tun, andererseits haben wir aber in vielfacher Hinsicht vom Promotionskolleg profitiert.
Martin: Die Idee des Allgemeinen Promotionskollegs scheint es ja auch zu sein, gerade solche Projekte zu unterstützen, die individuell ins Leben gerufen wurden.
Maren: Am deutlichsten wurde das sicherlich bei unserer Vortragsreihe "Bedingungen des Schreibens", die wir zusätzlich zu den eigentlichen Treffen organisiert haben. Diese Reihe hat sich in das Spezielle Promotionskolleg eingegliedert, da sie auch von dieser Seite finanziert wurde und damit einen offizielleren Charakter hatte.
Martin: Diese Reihe "Bedingungen des Schreibens" verstand sich als eine Wissenschaft und Praxis verbindende Veranstaltungsreihe. Anhand von Repräsentanten haben wir verschiedene Formen und Möglichkeiten des Schreibens vorgestellt. Dazu konnten wir hochkarätige Referenten wie beispielsweise Thilo von Trotha oder Leonie Swann gewinnen und haben gerade mit diesen Veranstaltungen auch einen breiteren Kreis von Leuten angesprochen, die zu den regulären Treffen sonst nicht kommen.
Maren: Wir verstehen uns somit als zweistufiges Modell, indem wir einmal, relativ unabhängig vom Promotionskolleg, den Doktorandenkreis organisieren und dann haben wir auf der anderen Seite, in größerer Abhängigkeit vom speziellen Promotionskolleg, diese Vortragsreihe mit externen Referenten veranstaltet. Die Reihe wird im Wintersemester dann unter einem anderen Thema fortgeführt.
Versteht ihr euch selbst als Netzwerk für Doktoranden und welchen Nutzen seht ihr in Netzwerken?
Maren: Ich persönlich betrachte den Doktorandenkreis nicht als Netzwerk und bisher hatte ich auch nicht den Eindruck, dass es so aufgefasst wurde. Natürlich besteht individuell immer die Möglichkeit auf Referenten und Redner zuzugehen und das Gespräch mit diesen zu suchen. Aber das ist nicht fest organisiert. Es besteht auch die Möglichkeit, dass sich aus unserem Kreis noch eine Gruppe herausbildet, die sich der Berufsfeld-Orientierung befasst. Das steht aber noch nicht fest. Außerdem ist in Mainz der Bedarf danach sehr abgedeckt, so hat beispielsweise ein Dozent in der Germanistik zwei Semester lang Berufsfeld-Orientierung angeboten und hierzu externe Referenten eingeladen, die über ihren beruflichen Werdegang, ausgehend von den Geisteswissenschaften, berichtet haben. Damit haben wir bei unserer Vortragsreihe sogar aufpassen müssen, dass dies keine Berufsfeldorientierung wird und wir dann eine Konkurrenz zueinander darstellen würden. Das betrifft aber viele Dinge, so wie das Allgemeine Promotionskolleg, das auch zahlreiche Workshops, wie Rethorik-Kurse anbietet, so dass wir Lücken suchen müssen, die noch gefüllt werden müssen.
Networking als solches verstehe ich dann aber eher so, dass auf verschiedenen Hierarchie-ebenen an der Uni selbst die Kommunikation noch verbessert werden könnte.
Martin: Ich sehe das genauso. Unsere Veranstaltungen können und sollen das gar nicht leisten. Sie haben auch nichts Verpflichtendes und sollen hauptsächlich dem allgemeinen Informationsaustausch dienen.
Mehr Informationen zum Allgemeinen Promotionskolleg der Universität Mainz sowie zum Doktorandenkreis unter: www.promotionsstudien.uni-mainz.de/allgemeines |