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Von Dr. Stephan Peters
„Sagen Sie mir, was wollen Sie eigentlich nach Ihrer Promotion machen?“
„Eigentlich wollte ich in der Wissenschaft bleiben.“
„Eigentlich?“
„Ja, wieso?“
„Sie sind was?“
„Politologe.“
„Haben Sie da echte Chancen, können Sie an der Uni gut verdienen – ich meine, so mit einer vollen Stelle?“
(Lacht) „Nee, wo denken Sie hin? Ich kann froh sein, überhaupt eine Stelle zu bekommen. Ich persönlich wäre schon froh, wenn's ne halbe Stelle wird.“
„Haben Sie keine Alternativen zur Wissenschaft, die Sie nicht ordentlich bezahlt?“
„Nicht wirklich.“ (Pause) „Sie glauben doch nicht, dass es draußen besser aussieht, oder?“
„Kann es schlechter aussehen als in der Wissenschaft?“
(Pause) „Auch wieder wahr.“
„Sind Sie vernetzt?“
„Vernetzt?“
„Ja. Verfügen Sie über ein Netzwerk, das Sie nutzen können? Ich meine, auch außerhalb der Wissenschaft.“
„Nö. Da habe ich nie drüber nachgedacht. Aber ich bin in der „Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaften“ und bin am Lehrstuhl ein wenig vernetzt.“
„Und, hilft es Ihnen?“
„Nein, nicht wirklich. Der Beitrag für den Jahreskongress ist günstiger.“
„Toll. Und sonst?“
(Pause) „Hmm ... Freundeskreis, aber denen geht es selbst nicht anders.“
„Kennen Sie keine anderen Möglichkeiten zum Netzwerken?“
„Nein, eigentlich nicht.“ (Pause) „Aber ich möchte auch nicht ... so wie die Wirtschaftswissenschaftler, nein, das wäre nicht mein Ding.“
„Was machen die Wiwis?“
„Sie wissen schon. Visitenkartenparty da, komisches Internetgruppentreffen dort – einige sind sogar in irgendwelchen Verbänden oder Vereinen.“
„Und, was ist da schlimm dran?“
„Ist doch eklig, schleimig, oder?“
„Was?“
„Nun, mit Leuten über Business zu reden.“ (Pause) „Allein, wenn ich das Wort Business schon höre.“
„Die reden da knallhart und direkt über ihre Zukunftschancen. Was ist da falsch dran?“
„Weiß nicht, gefällt mir nicht.“
„Was genau?“
„Mit Leuten über „Geschäfte“ zu reden.“
„Und, Sie reden doch mit Ihren Leuten auch über Wissenschaft, oder?“
„Das ist was anderes.“
„Wieso?“
„Ist nicht so anbiedernd.“
(Pause)
„Kennen Sie Netzwerke von denen?“
„Von wem jetzt?“
„Na von den Wiwis zum Beispiel.“
„Ja, einer ist bei den Rotariern – da gibt es so eine Jugendorganisation, ein anderer – der ist aber übel drauf – ist in so einer Studentenverbindung.“
„OK, aber es gibt doch auch modernere Netzwerke, oder?“
„Gut, ich habe von Wirtschaftsverbänden gehört, denen man sich anschließen kann. Ein Bekannter ist zum Beispiel im „Bundesverband mittelständischer Wirtschaft“ - als Soziologe.“
„Und? Gibt es noch mehr?“
„Ja klar, die ganze Internetchose.“
„Was meinst Du damit?“
„Na, zum Beispiel OpenBC – nee, Xing heißen die jetzt. Höre ich häufiger in Gesprächen, wenn einer den anderen fragt: Bist Du auch in der und der Gruppe bei Xing?“
„Wie vernetzen die sich genau, wissen Sie das?“
„Ja, die gehen gezielt in bestimmte Gruppen. Einige haben dort sogar eine eigene Gruppe. Und es gibt die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen.“
„Kontakte knüpfen?“
„Ja, man kann Leute sozusagen ansprechen, ob man diese zu seinen Kontakten zählen darf.“
„Ist doch interessant, oder?“
„Weiß nicht, behagt mir nicht so.“
„Was genau?“
„Wildfremde Leute ansprechen. Und diese dann auch noch zu treffen.“
„Das ist „draußen“ aber normal.“
„Mag sein.“
„Wie werden die Jobs in der Uni vergeben?“
„Nun, man muss den Prof kennen, am besten war man wissenschatlicher Mitarbeiter bei dem. Dann ein paar Publikationen schreiben, die gut platzieren und dann kann es klappen.“
„Nun, also: Man muss die richtige Person kennen, die einen Job zu vergeben hat, ein fachmännisches Profil aufbauen und verlässlich seine Beziehungen pflegen. Läuft darauf hinaus, oder?“
(Pause) „Ja, aber anders.“
„Wie, anders?“
„An der Uni ist das nicht so direkt.“
„Ist das besser?“
(Pause) „Eigentlich nicht.“
„Was hat mehr Qualität?“
„Was meinen Sie?“
„Was denken Sie, wer für „draußen“ besser gerüstet ist?“ (Pause) „Der Wirtschaftswissenschaftler, der offen und direkt seine Beziehungen pflegt und sein eigenes Profil und Potential aufbaut, das er dann aber in seinem Interesse nutzen kann, oder ... .“
„... Ich, der hoffen kann, dass er `ne Minimalstelle bekommt und höchstgradig abhängig von den Profs ist?“
„Genau“ (Pause) Merken Sie was?
„ Jo. “ |