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Von Christina Heiser Frauen, die Kontakt zu amerikanischen Soldaten suchten, wurden im Nachkriegsdeutschland von der Öffentlichkeit eher missbilligend als „Fräuleins“ bezeichnet. Prof. Dr. Annette Brauerhoch, die an der Universität Paderborn Filmwissenschaft lehrt, verfasst mit „Fräuleins und G.I.s“, anhand einer Verknüpfung der Filmgeschichte mit der allgemeinen Geschichtsschreibung, erstmals ein ausführliches Bild dieser komplexen Beziehung, die ebenso politisch wie öffentlich war. So legt Brauerhoch dar, dass im Geschlechterverhältnis von „Fräulein“ und amerikanischem Soldat nicht nur Staatsformen kollidierten, sondern auch kulturelle und gesellschaftspolitische Ideologien. „Fräulein und GI“, das war nach 1945 eine Beziehung die zu Hunderttausenden bestand. Dennoch existiert bis heute keine Alltagsgeschichte zu diesem Phänomen. Das verdeutlicht, dass diese Beziehung verdrängt und im Klischee des 'Fräuleins' immer auch abgewertet wurde. In diesem Zusammenhang verdeutlich Annette Brauerhoch, wie sich im Nachkriegsdeutschland zwei stereotype Frauenbilder herausbildeten, zum einen das der entsexualisierten „Trümmerfrau“ und zum anderen das des sexualisierten „Fräuleins“. Die „Trümmerfrau“ wurde dabei als Ideal des zukunftsorientierten Handelns verstanden, der Rekonstitution von Ehe, Familie und Nation, während das „Fräulein“ bis heute als fraternisierendes Ami-Liebchen in der kollektiven Erinnerung negativ konnotiert ist. Da die Beziehungen meist sexueller Natur waren, wurden sie jedoch nicht nur von der zeitgenössischen Gesellschaft, sondern auch von der Geschichtsschreibung sowie der feministischen Forschung lange Zeit in den Bereich des Trieblebens abgeschoben. Aufgrund dieser Nichtbeachtung des „Fräuleins“ in der historischen, sozialhistorischen und kulturgeschichtlichen Forschung geht Brauerhoch auf Spurensuche in amerikanischen Wochenschauen, armeeinternen Dokumentar- und Propagandafilmen und internationalen Spielfilmen. Aber auch in der Trivial- und Hochliteratur, in Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln, in Armeepublikationen und Militärberichten sowie in Zeitzeugenberichten und Memoiren versucht sie, das Bild des „Fräuleins“ in der Öffentlichkeit zurückzuverfolgen. In zeitgenössischen Romanen wurde das „Fräulein“ beinahe durchgehend sexualisiert dargestellt, ebenso herrschte in den Printmedien ein weithin abwertendes Bild des „Fräuleins“ vor. Dies lag unter anderem daran, dass sich hierin der einzig legitime Bereich fand, in dem sich Ressentiments gegen die Besatzung und die Besatzer einen Raum schaffen konnten. Je mehr die USA jedoch ihren Charakter als Besatzungsmacht aufgaben, desto stärker wurde auch das Phänomen des „Fräuleins“ und der damit verbundene sexuelle Aspekt tabuisiert. Anhand von Propagandafilmen der US-Armee zeichnet Annette Brauerhoch dann nicht nur amerikanische Deutschlandbilder und die Anti-Fraternisierungspolitik der amerikanischen Armee nach, sondern befasst sich auch mit der Problematik afroamerikanischer Soldaten in der US-Armee. In diesem Zusammenhang geht die Autorin besonders ausführlich auf die Beziehungen zwischen deutschen Frauen und afroamerikanischen Soldaten ein – eine Beziehung, die mit zahlreichen Tabus, Ressentiments und Vorurteilen behaftet war und in der filmisch, visuellen Darstellung sogar gänzlich der Zensur unterlag. Den Schwerpunkt ihrer Untersuchung stellt jedoch der filmanalytische Teil dar, in welchem sie die Darstellung des „Fräuleins“ in deutschen und amerikanischen Spielfilmen untersucht, die im Zeitraum zwischen 1946 und 1961 produziert wurden. Damit soll „[...] die Relevanz des ,Fräuleins‘ – des historischen und filmhistorischen Umgangs mit ihrer Figur – für eine Geschichte Deutschlands ebenso herausgestellt werden wie die Bedeutung von Film als ,Bewahrer von Geschichte‘[...]". Insgesamt arbeitet Brauerhoch in ihren Analysen heraus, dass sich die Filme bezüglich der Thematik „Fräulein und GI“ sehr zurückhielten, ganz im Gegensatz zur Allgegenwart des Stereotyps des „Fräuleins“ in der mündlichen Erinnerung und im Roman. Damit gelingt es der Autorin, besonders in ihren flüssig und ausführlich verfassten Filmanalysen, nicht nur subtile Kameraeinstelllungen und Bildkomposition aufzuschlüsseln, sondern diese immer auch mit dem Blick auf eine in die Öffentlichkeit gerückte Weiblichkeit zu verknüpfen – die Darstellung des „Fräuleins“ in der Nachkriegsgesellschaft. Auf diese Weise hebt Brauerhoch das Nachkriegs„fräulein“ aus ihrer geschichtlichen Außenseiterposition hervor. Die Autorin macht damit Lust auf ein Kapitel deutscher Geschichte und Filmgeschichte, das viel zu lange vernachlässigt wurde. Dies gelingt ihr vor allen Dingen aufgrund ihrer eleganten und ungewöhnlichen Herangehensweise an die Thematik, durch die flüssige Verknüpfung von Filmgeschichte mit Alltagsgeschichte. Sie verdeutlicht so, dass sich die deutschen „Fräuleins“ durch ihre Beziehungen zu amerikanischen GIs über die Grenzen traditionellen Rollenverhaltens, rassischer Vorurteile und nationaler Stereotypen hinwegsetzten. Damit hat Brauerhoch ein, auch für Geschichts- und Filmgeschichtslaien, lobenswertes, engagiertes und dabei sehr gut lesbares und verständliches Buch vorgelegt.
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Annette Bauerhoch: Fräuleins und GIs. Geschichte und Filmgeschichte.
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