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Von Waldemar Kesler „Seit mehr als fünfundzwanzig Jahren verfolge ich das Ziel, eine Geschichte der Wege zu skizzieren, auf denen Menschen in unserer Kultur Wissen über sich selbst erwerben: Ökonomie, Biologie, Psychiatrie, Medizin und Strafrecht. Dabei geht es nicht in erster Linie um den Wahrheitsgehalt dieses Wissens, sondern um die Analyse der so genannten Wissenschaften als hochspezifischer »Wahrheitsspiele« auf der Grundlage spezieller Techniken, welche die Menschen gebrauchen, um sich selbst zu verstehen.“ Bei derartigen Anthologien ist immer die Frage, für welche Leserschaft sie geeignet sein soll. Für jemanden, der in Foucaults Denken noch nicht orientiert ist, werden die vermischten Texte über die iranische Revolution (der er keineswegs so naiv gegenüberstand, wie es oft dargestellt wird), den Sex der Psychoanalyse, das Schreiben über sich oder Leidenschaft nichts anderes als verwirrend und teilweise schlicht langweilig sein. In solchen Fällen sollte man je nach Bedarfs- und Interessenslage nach einem guten Überblicksband oder gleich zu den entsprechenden Primärwerken greifen. „Ästhetik der Existenz“ gibt aber bereits erprobten Foucault-Lesern ein schönes Bild von seiner Denkhaltung und wie diese sich im Verhältnis zum Leben äußert, wenn er den Selbstmord als Chance auf den absolut einzigartigen Augenblick angesichts eines versäumten Lebens beschreibt oder über die Möglichkeit einer homosexuellen Lebensform spricht: „Schwul sein heißt […] den Versuch zu machen, eine Lebensform zu definieren und zu entwickeln“. Hier formuliert sich sein Selbstverständnis als Denker vor seinem Tod und worin er die Aufgabe der Philosophie sieht: „Ich habe eben gesagt, die Philosophie sei eine Form des Nachdenkens über unser Verhältnis zur Wahrheit. Das wäre zu ergänzen […]. Ich glaube, es gab und gibt immer noch beträchtliche und vielfältige Bemühungen, die unser Verhältnis zur Wahrheit und zugleich auch unser Verhalten verändern. Und das im komplexen Zusammenwirken einer ganzen Reihe von Forschungen und einer ganzen Reihe sozialer Bewegungen. Genau das ist lebendige Philosophie.“
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Michel Foucault: Ästhetik der Existenz. Schriften zur Lebenskunst.
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