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Von Verena Ummenhofer Mit Charlotte Mullins „People. Kunst heute“, das 2006 bei Dumont erschienen ist, liegt ein auf den ersten Blick äußerst ansprechendes Buch vor, 192 Seiten stark, reich und hochwertig bebildert. Thematisch befasst sich „People“ mit der Wiederentdeckung des Menschen als Sujet in der Malerei, indem es 85 zeitgenössische Künstler vorstellt, die sich auf diesem Gebiet profiliert haben. Mullins fasst die Maler nach einer kurzen Einführung in fünf Kapiteln zu thematischen Gruppen zusammen. Jedem Kapitel ist eine eigene dreiseitige Einführung vorangestellt, worauf nun auf je einer Doppelseite die verschiedenen Künstler mit einem kurzen Text und einer bis fünf Abbildungen vorgestellt werden. Das Arbeiten mit dem Buch wird durch kurze Künstlerbiografien, eine Literaturauswahl, einem Verzeichnis der Abbildungen, sowie einem alphabetischen Künstlerindex erleichtert. In Anbetracht des eher geringen Textanteils des Bandes und des großen Themenkomplexes kann der Leser sicher keine intensivere und analytische Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Der Mensch in der zeitgenössischen Malerei“ erwarten. Trotz allem ist der Inhalt angesichts der viel versprechenden Aufmachung dann aber dennoch enttäuschend. Wichtige Fragen werden zwar hier und da gestellt, bleiben aber unbeantwortet. Erste Überlegungen dazu, warum gerade jetzt die Figuration wieder an Zugkraft gewinnt, was die entsprechenden Bilder für die Maler bedeuten und was diese dem Publikum bieten können, werden nicht angestellt. Viel Raum nimmt stattdessen ein Überblick über die Entwicklung der Malerei seit dem Zweiten Weltkrieg ein. Der Leser erfährt, dass nicht nur die Figuration lange Zeit marginalisiert wurde, sondern die gesamte Malerei gegenüber den neuen Medien an Bedeutung eingebüßt hatte. Diese Informationen sind sicher sinnvoll und aufschlussreich, leider wird aber nicht ausreichend auf die Gegenwart fokussiert. Außerdem vermisst der Leser eine Erläuterung für die vorgenommene Unterteilung der Kapitel in thematische Gruppen. Was sind die Kriterien, nach denen die Künstler hier zusammengestellt wurden? Fragen, die leider nicht beantwortet werden. Auch die kurzen Einführungen in die Kapitel kommen diesem Wunsch nach theoretischer Unterfütterung nicht nach. In der Regel wird lediglich einer der nachfolgend repräsentierten Künstler detaillierter vorgestellt, und einige der anderen werden erwähnt. Ein größerer Zusammenhang fehlt. In ihren Kurztexten zu den doppelseitigen Künstlerpräsentationen ist Mullins sehr unentschlossen und wenig stringent. Mal stellt sie interpretatorische Überlegungen zu den Bildern an, mal beschreibt sie diese lediglich. Bei einigen Malern lässt sie biografische Informationen einfließen, oder sie bespricht die technische Herangehensweise. Der Leser kann sich so jedes Mal überraschen lassen, was Mullins ihm Wissenswertes zu den jeweiligen Abbildungen an die Hand gibt. Zahlreiche Ungenauigkeiten verstärken den Eindruck, dass hier nicht ganz gewissenhaft gearbeitet wurde. So beispielsweise, wenn im Text zu einem Bild von Jules de Balincourt steht „das beengte Büro hat weder Fenster noch ist einer Tür zu sehen“, wenn sich eine solche doch bereits auf den zweiten Blick im Hintergrund ausmachen lässt. Die Mängel des Buches lassen vermuten, dass es mit heißer Feder geschrieben wurde. Trotz dieser Nachteile ist das Vorhaben, einen Überblick über die zeitgenössische Figurative Malerei zu bieten, sehr lobenswert und die vielen Abbildungen zeugen eindrucksvoll davon, dass diese Gattung ihre Stellung in der Kunstwelt zurückerobern konnte. Wer sich also einen Eindruck von der neuen Figuration machen möchte, und bereit ist, sich auf die Bilder einzulassen und sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen, kann durchaus sein Vergnügen beim Querlesen und genau Hinsehen haben.
Charlotte Mullins: People. Kunst Heute.
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