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Von Robert Weisz
Es ist eine Situation, vor die der Student wie auch der Doktorand immer wieder gestellt wird: Man blättert gut gelaunt in den abwegigsten Aufsätzen zu noch abwegigeren Themen und plötzlich stellt man fest, dass man das Buch, das in dem Text so ganz nebenbei diverse Male Erwähnung findet, eigentlich gar nicht kennt. Wäre eigentlich gar nicht so tragisch, wäre dieses Buch nicht ein absoluter Klassiker, den man längst kennen sollte und der bestimmt allen, die man fragen würde, bereits aus Schulzeiten bekannt ist. Was bleibt, sind zwei Möglichkeiten, zum einen könnte man zu seinen Lücken stehen, doch kratzt das gehörig am Selbstbild des umfassenden Universalgelehrten, das man sich, um sich gegen die Widrigkeiten der Welt zu schützen, zugelegt hat; zum anderen könnte man sich das Werk in den Abendstunden still in einer Buchhandlung am Rande der Stadt erwerben, um es dann ebenso heimlich nachts im Bett zu lesen, denn im Netz (beim Gutenberg-Projekt etwa) beziehungsweise am Rechner (was die Digitale Bibliothek ermöglicht) liest das kein Mensch freiwillig über einen längeren Zeitraum. Die zweite Methode hat nur einen Nachteil, denn zumeist haben diese Bücher empfindlich hohe Preise, Geld, das man dem kargen studentischen Budget nur schwer entnehmen mag.
Der noch junge, 2004 gegründete Anaconda Verlag in Köln schließt diese Lücke mit äußerst preiswerten Ausgaben von Klassikern verschiedener Provenienz. Die Antike etwa ist mit Homers „Illias“ und der „Odyssee“ vertreten, die klassische Liebeslyrik fehlt ebenso wenig wie eine neuhochdeutsche Ausgabe des „Erec“ Hartmanns von Aue. Goethe und Kafka, Fontane und Schnitzler sind zu finden, ebenso Fjodor M. Dostojewski oder Joseph Conrad.
Gemein ist diesen Büchern eine überraschend hochwertige Ausstattung, sie sehen definitiv nicht so aus, als würden sie eine Nacht unter der Bettdecke oder einen Ausflug in den botanischen Garten nicht überleben. Sicher, das Cover hätte etwas weniger kitschig ausfallen und die Farbgestaltung etwas dezenter sein können, doch das heimische Bücherregal wird dadurch nicht verunziert. Geradezu schön fällt die Ausgabe von Thomas Morus’ immer wieder lesenswerten Roman „Utopia“ aus, ein dezentes Cover und ein aufgeräumter Satz sprechen auch den ästhetisch anspruchsvolleren Leser an.
Auch fachlich kann man wenig nörgeln, es wurde durchwegs auf brauchbare und lesbare Übersetzungen zurückgegriffen. Wissenschaftlichen Ansprüchen genügen die einsprachigen Ausgaben freilich nur marginal, für die Arbeit ist eine einschlägige zweisprachige Ausgabe etwa des „Erec“ oder der Schriften Homers unerlässlich, auf Anmerkungen und editorische Notizen muss man ebenfalls verzichten, aber das ist für einen raschen Überblick und das Überwinden der eigenen Untiefen auch nicht nötig.
Eine Ausnahme bildet hier der Band „Liebesdichtung der Antike“, hier sind die Texte sowohl im lateinischen beziehungsweise griechischen Original als auch in der deutschen Übersetzung abgedruckt, eine Vorgehensweise, die man seitens des Verlages auch bei den mittelhochdeutschen oder griechischen Texten überlegen sollte, der studentische Käufer würde es auf jeden Fall danken.
Und preislich sollten die Bücher mit jeweils knapp sechs Euro auch noch im Rahmen liegen, da kann man sich sogar noch Wein und Käse dazu kaufen und dann in der WG behaupten, man würde nach all den Jahren gerne mal wieder in der „Odyssee“ blättern, man hätte ja soviel vergessen.
Einen Nebeneffekt haben vor allem die Texte aus römischer Zeit, denn den Stowasser kann man getrost im Schrank lassen und das Ganze auf deutsch lesen, auf dass man endlich versteht, was man da früher im Lateinunterricht mühselig sich selbst zusammengereimt und letztlich aufgegeben hatte.
So kann man sich auch mit kleinem Budget eine ordentliche Brot- und Butter-Sammlung zulegen und kann in Zukunft wesentlich entspannter in der Sekundärliteratur stöbern. Bleibt nur zu wünschen, dass der Verlag eine elektronische Wunschliste für seine Leser einrichtet, so dass weitere Klassiker, bei denen man – kommt das Gespräch darauf – auffällig schweigsam wird, neu aufgelegt werden und die eigenen Lücken kleiner werden.
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Hartmann von Aue: Erec.
Anaconda Verlag, Köln 2006.
317 Seiten, 6,95 EUR.
ISBN 978-3-86647-044-6
Horst Gasse (Hrsg.): Liebesdichtung der Antike
Anaconda Verlag, Köln 2007.
352 Seiten, 5,95 EUR.
ISBN 978-3-86647-121-4
Thomas Morus: Utopia.
Anaconda Verlag, Köln 2007.
160 Seiten, 4,95 EUR
ISBN 978-3-86647-095-8
Homer: Odyssee
Anaconda Verlag, Köln 2005.
335 Seiten, 5,95 EUR
ISBN 978-3938484-43-2
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