Philosophie

 

Dreh- und Angelpunkt der Moderne 

Thomas Körber über Nietzsches Einfluss auf die deutschsprachige Literatur der Nachkriegszeit

Das Leben eines Intellektuellen

Thomas Meyer fragt nach dem Menschen Ernst Cassirer

Von Markus Andreas Born Von Henrike Lerch
Rinkenberger

Friedrich Wilhelm Nietzsche wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Wegbereiter des Faschismus herabgesetzt, wobei ihm häufig eine geistige Vorreiterrolle zugeschrieben wurde. Für die Instrumentalisierung Nietzsches zu Zeiten des „Dritten Reiches“ war in großem Maße die Verfälschung seines Werkes durch das Nietzsche-Archiv seiner Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche in Weimar verantwortlich.  Trotz der Bemühungen von Karl Schlachta und anderen, auf diesen Zusammenhang aufmerksam zu machen, wurden und werden Nietzsche protofaschistische Tendenzen unterlegt – meist ohne sich vorher sonderlich mit der Lektüre seiner Texte aufzuhalten. Seine Wirkung auf die deutschsprachige Literatur nach 1945 scheint sich unter anderem aus diesem Grunde zumindest in Grenzen zu halten... weiter 

„Wer war Ernst Cassirer?“, so lautet die einleitende Frage der von Thomas Meyer verfassten Biografie. Mit dieser Frage rückt im Gegensatz zu den philosophischenBiografien von Heinz Paetzold und Massimo Ferrari die Person Ernst Cassirer in den Mittelpunkt. Meyer, der über Cassirer promovierte, versteht es dabei nicht als seine Aufgabe, den Zusammenhang von Leben und Werk aufzulösen, doch es gelingt ihm durch das Nachzeichnen der Entwicklung von Werk und Persönlichkeit, ein differenziertes Bild Cassirers zu geben. Die Biografie ist in der Reihe „Hamburger Köpfe“ erschienen, einer Reihe, die Personen vorstellt, die im geistig-kulturellen Leben der Hansestadt ihre Spuren hinterlassen haben. Trotz des populärwissenschaftlichen Anspruchs der Reihe und des einführenden Charakters der Darstellung gelingt es Meyer durchaus, auch wissenschaftliche Forschungen einzubeziehen... weiter

   

 

Die Triebfeder des Kampfes 

Über Paul Ricoeurs „Wege der Anerkennung“

 

 

Von Jan Heider  
 

Ausgehend von dem Erstaunen, dass die Philosophie bisher keine konsistente Theorie der Anerkennung erarbeitet hat – ganz im Gegensatz zu den elaborierten und vielmals durchdachten Theorien des Erkennens, und die Befeuerung dieses Erstaunens durch die lexikalische Breite des (französischen) Begriffs der Anerkennung – unternimmt Paul Ricoeur in seinem letzten Werk den Versuch, die verschiedenen sich um die Anerkennung drehenden  „Denkereignisse“ in der (Sozial-) Philosophiein eine systematische Reihe zu bringen. Der französische Begriff der Anerkennung – reconnaissance – umfasst in seiner lexikalischen Darlegung, die Ricoeur zwei renommierten französischen Lexika entnimmt, ein ganzes Spektrum von über zwanzig Bedeutungen. Diese umfassende semantische Fülle – die Polysemie der Alltagssprache – möchte Ricoeur systematisch betrachten und dabei die bloße lexikalische Aneinanderreihung mit einer Logik versehen. Er möchte die in der Alltagssprache zu findenden Konnotationen demnach philosophisch rückbinden an eine phänomenologisch zu erarbeitende Analyse der reconnaissance... weiter